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Mit dem Auto nach Weißrußland - Teil I
Impressionen einer Urlaubsreise von Roth/Mfr. nach Mogilev (Belarus) und deren Vorbereitung

Übersichtskarte

  Inhalt

Warum diese Seite?
Schlechte Erinnerungen
Dokumente
Gesundheitsvorsorge
Vorbereitungen
Routenplanung
Von Deutschland nach Polen
Grenzabfertigung Brest
Weißrußland (Belarus)
 

  Warum diese Seite?  
  Tja, liebe Leser. Es gibt zwar einige URLs im Internet, diese sind aber entweder zu allgemein gehalten oder geben zu wenig Informationen. Das Usenet gibt leider auch wenig her. Daher habe ich mich entschlossen, meine Erfahrungen hier weiterzugeben.  
  Hinweis:
Alle hier gemachten Angaben beziehen sich auf den Stand Juni 2003. Für Änderungen die nach diesem Zeitpunkt seitens offizieller Stellen Polens, Weißrußlands oder Litauens durchgeführt wurden, kann ich keine Verantwortung übernehmen!
 
 
  Schlechte Erinnerungen  
  Das letzte Mal waren wir 1996 mit dem Auto in Weißrußland. Nachts durch Polen geheizt, waren wir froh, gegen 9 Uhr endlich an der Grenze angekommen zu sein. Aber dort hatte die Tortur erst begonnen.
Wartezeit an der Grenze 8 Stunden (dabei hatten wir noch Glück)...

...diesmal sollte alles anders werden......ganz anders.

Die akribische Vorausplanung hatte sich bei dieser Reise letztendlich doch ausbezahlt.
 
     
 
  Dokumente  
  Polen
Deutsche Staatsbürger, die in Besitz eines gültigen Reisedokumentes (Reisepasses) sind und die sich auf dem Gebiet der Republik Polen nicht länger als 3 Monate aufhalten möchten sowie keiner Erwerbstätigkeit nachgehen wollen, können visafrei nach Polen einreisen. Ansonsten muß von den deutschen Grenzbehörden ein Reiseausweis als Paßersatz ausgestellt werden. Eine Einreise mit dem Personalausweis ist nur für Bewohner grenznaher Regionen möglich. Die Papiere sind einer Prüfung zu unterziehen. Eine aktuelle grüne Versicherungskarte sollte unbedingt mit sich geführt werden. Sonst kann es empfindliche Strafen hageln. Ebenso wird ein internationaler Führerschein empfohlen. Kontrollen der Polizei gibt es nur innerhalb von Ortschaften. So habe ich es diesmal erlebt.
 
     
  Weißrußland
Für die Einreise und den Aufenthalt in Weißrußland ist für Bürger der BRD ein Visum Pflicht. Die Beantragung erfolgt bei der zuständigen Visastelle in Berlin oder in der Zweigstelle Bonn.
Man benötigt eine Einladung einer ständig in Weißrußland lebenden Person (Privatreise), einer Firma (Dienstreise) oder ein Reisebüro (Touristenreise) organisiert diese Einladung.

Was wird zur Visabeantragung gebraucht?
  • ein gültiger Reisepass (Original, keine Kopie)
  • ein vollständig ausgefülltes und eigenhändig unterschriebenes Antragsformular mit dem aufgeklebten/angeheftetem Lichtbild
  • eine gültige Einladung
  • ein von der Bank bestätigter Einzahlungsbeleg über entrichtete Visagebühr
Die Visagebühren sind relativ hoch und können eigentlich nur als reine Abzocke angesehen werden. Man muß sogar noch einen ausreichend frankierten Rückumschlag beilegen.
Ohne auch nur einen Kilometer gefahren zu sein, sind bei 2 Erwachsenen und einem Kind unter 15 Jahren schon mal 145.- € weg. :-(
Allerdings muß man den Mitarbeitern zugute halten, daß die normale Bearbeitung nicht länger als eine Woche gedauert hat.
Visum

Aktuelle Informationen zu den Einreisebestimmungen gibt es auf der Website der Botschaft der Republik Belarus.
 
     
  Litauen
Litauen verlangt bei der Einreise einen Reisepass der noch mindestens 6 Monate Gültigkeit besitzt. Wichtig auch hier ist die grüne Versicherungskarte und die anderen üblichen Dokumente.
Wieso Litauen? Dazu später mehr.



Allgemein sollte man noch Kopien aller wichtigen Dokumente anfertigen und diese sicher aufbewahrt, mit sich führen.
 
     
 
  Gesundheitsvorsorge  
  Empfohlen werden Zeckenschutzimpfungen und Impfungen gegen Diphterie. Am Besten ist es wohl, vorher seinen Arzt zu konsultieren. Zur Reiseapotheke brauche ich wohl nichts zu sagen.  
     
 
  Vorbereitungen  
  Erfahrungsgemäß sollte man nicht mit den allerneuesten Modellen nach Osteuropa fahren. Bei Autodieben und -schiebern sind große 100er Audi der letzten Serie und Audi A6/A8 gefragt. Zu meiner Überraschung mußte ich feststellen, daß wohl der gesamte Altwagenbestand an Audis komplett nach Weißrußland gegangen ist.
Zum Zustand des Fahrzeugs vor Reiseantritt brauche ich wohl nichts zu schreiben. Meinem E34 hatte ich noch kurz vor der Abreise eine große Inspektion verordnet. Wichtig für Weißrußland ist es, unbedingt einen Feuerlöscher mitzuführen. Ebay-sei-Dank habe ich einen 2l-Löscher günstig erstanden.
Auf einen Reservekanister kann man inzwischen getrost verzichten. Dazu gehe ich später näher ein.

Die Route habe ich mir mit einem Routenplaner zusammengestellt. Zur Sicherheit habe ich noch einen ADAC-Atlas Osteuropa dabei gehabt. Falls man doch mal ausweichen muß.

Verpflegung für unterwegs, wenn man nicht unbedingt zum Essen in einem Restaurant stoppen will und reichlich Wasser haben wir eigentlich immer dabei. Auch wenn's mal in die westliche Richtung geht.

Noch etwas Wichtiges: Auch wenn man sie sonst kaum braucht, unbedingt ca. 200.- USD in kleinen Scheinen als Handgeld mitnehmen. An den Grenzen wird zur Zeit vorranging US-Währung zur Begleichung etwaiger Gebühren verlangt, obwohl auch Euro genommen werden. Sollte aber Wechselgeld herausgegeben werden müssen, bekommen manche Stellen Schwierigkeiten.
 
     
 
  Die Routenplanung  
  Eines vorweg: "Der kürzeste Weg ist nicht immer der Schnellste oder Günstigste."

In unserem Fall wären ca. 1.680 km die kürzeste Strecke, man hat aber in Sachen Geschwindigkeit eindeutige Nachteile. So ist es mit der Fahrt von Nürnberg über Chemnitz, Görlitz, Breslau, Warschau nach Brest. Die alte "Autobahn" von Bunzlau nach Breslau ist fürchterlich und nur dem zu empfehlen, dem sein Auto egal ist.
Ich habe die um 100 km längere Strecke von Nürnberg über Leipzig - Berliner Ring - Frankfurt /O. - Posen - Warschau - Brest - Minsk - Mogilev gewählt. Diese Strecke führt ab der Grenze fast kerzengerade durch Polen. Mittendrin ist ein gut ausgebautes Stück mautpflichtige Autobahn.
 
     
 
  Von Deutschland nach Polen  
   
  Stau bei Leipzig

Typischer Freitagnachmittagstau bei Leipzig. Die Baustellen in diesem Bereich waren nicht gerade verkehrsflußfördernd.
 
     
  Grenze zu Polen bei Frankfurt

Wartezeit ca. 1 Stunde.
 
     
  Geschafft! Vor uns liegt Brest

Geschafft! Vor uns liegt die "Heldenstadt" Brest. Der Grenzübergang Terespol/Brest liegt hinter uns. Was passierte bis hierher? Also erst einmal die nächtliche Fahrt durch Polen. Die Straße 2 (E30) führt von der deutschen Grenze über Posen und Warschau zur weißrussischen Grenze. Die Straße ist allgemein gut ausgebaut, hat aber ab und an ein paar schlechte Straßenabschnitte. Mittendrin liegt ein Stück neue Autobahn auf der ca. 3.- € Mautgebühr verlangt werden. Jedenfalls bekam ich 10.- PLN als Wechselgeld zurück.
Am Wochenende läßt es sich am Besten fahren, da auch in Polen relativ wenig LKW unterwegs sind.
Durch Ortschaften durch die die E30 führt, wird geheizt wie nur was, obwohl Tempo 60 vorgeschrieben ist. Meist ohne Temporeduzierung. Zum Glück war die Polizei nicht so dienstbeflissen. Am Besten man hängt sich hinter einen schnellen Ortsansässigen und fährt sein Tempo mit.
In Posen sollte man aufpassen. Die Straßen innerhalb der Stadt sind teilweise äußerst schlecht und gehen brutal auf's Material. Auch die Warschauer Straßen hatte ich in besserem Zustand in Erinnerung.

Getankt habe ich zweimal. Einmal auf Höhe von Kutno und dann in Biala Podlaska vor der weißrussischen Grenze noch mal den Tank voll gemacht. Ich wußte ja nicht, was mich dahinter erwartete.

Nun Näheres zur Treibstoffversorgung. Das Tankstellennetz in Polen und Litauen ist flächendeckend. Viele Tankstellen haben 24h-Service. Auch in Weißrußland ist die Versorgung an den Magistralen und großen Städten ausreichend. Man sollte aber immer rechtzeitig tanken. Es werden belorussische Rubel (teilw. russische Rubel), EUR oder USD genommen. Teilweise werden Kreditkarten akzeptiert.
Die Kosten für 1 Liter 95er Eurosuper betragen in Polen und Litauen ca. 0,60 bis 0,80 €, in Weißrußland kostet der Liter Eurosuper AI-95 um die 0,45 €. Über Beziehungen habe ich meinen Sprit für 0,30 € pro Liter bekommen. :-)
Wichtig! Vor dem Tanken fragen, ob an der Tankstelle bleifreies Benzin ("Bensin bes zvjinza") vorrätig ist.
Diesel gibt es "an jeder Ecke". Die Versorgung ist lückenlos.


 
 
  Grenzabfertigung Brest  
  Unser Ziel war es, möglichst früh an der weißrussischen Grenze zu sein.
Das Problem ist, daß Weißrussen bis dato ohne Visum nach Polen einreisen dürfen. Entsprechend ist Brest Drehscheibe für den polnisch/weißrussischen Handel, mit den dazu gehörenden Wartezeiten.
Wenn man Pech hat, wie wir im Jahr 1996 kann man schon mal 8 bis 10 Stunden an der Grenze stehen.

Also kommen wir um 6:30 Uhr in Terespol an. Ca. 3 km vor der Grenze fängt es sich an zu stauen und wir haben schon das Schlimmste erwartet. Artig stellen wir uns ans Ende der Schlange. Es dauert nicht lange bis ein Pole seine Dienste für eine schnellere Abfertigung anbietet. Natürlich gegen Bezahlung. Leute, niemals darauf eingehen. Das ist rausgeschmissenes Geld.

Wir fragen die jungen Leute vor uns in welcher Wartereihe wir uns befinden. Sie antworten, daß sie verzollen müßten. Wir als Touristen könnten direkt bis vor zum Schlagbaum fahren. Der Pole ist nach wie vor hinter uns her.
Also rein ins Auto und vor bis zum Schlagbaum. Die Grenze ist geschlossen und vor uns sind nur zwei Autos.
Nach ca. einer Stunde wird die Grenzabfertigung eröffnet und wir dürfen fahren. An der uns zugewiesenen Stelle werden wir von den Polen kurz und schmerzlos abgefertigt. Ein kleines Fitzelchen mit zwei Stempeln der polnischen Grenzer und Zöllner soll uns jetzt bis zum letzten Schlagbaum begleiten.

Da der Grenzübergang auf weißrussischer Seite des Bug gerade umgebaut wird, werden alle auf polnischer Seite abgefertigt.
Zu denken, daß die Grenzer auf einen zukommen, wäre ein fataler Zeitverlust. Denn jetzt geht die Rennerei los!
Man braucht nämlich bei Autoeinreise eine Zollbestätigung das Auto wieder auszuführen. Also den nächsten freien Zöllner fragen, was man alles braucht. Der zeigt auf die Zolldeklarationen und wie man diese ausfüllt. Die Kopie der Fahrzeugpapiere, wenn nicht vorhanden, kann diese für 1.- € vor Ort gemacht werden. Irgendwo auf dem Gelände ist der Zöllner untergebracht, der das Wichtigste ausfüllt - das Autoeinreisezollformular. Und die haben ewig Zeit dazu, den Computer mit allen möglichen Daten zu füttern. Hiermit haben wir so ziemlich eineinhalb Stunden zugebracht. Zurück in die Reihe und dem zuständigen Zöllner das Dokument gezeigt. Am Ende sprang wieder ein Stempel auf dem "Fitzelchen" raus. So jetzt alle Papiere gesammelt und dem nächstfreien Grenzbeamten übergeben, der nach 20 Minuten zurückkommt und uns Stempel Nr. 4 auf dem "Fitzelchen" beschert und uns den Ausreiseschein übergibt.



Ausreiseschein


Noch mal nachgefragt, ob wir auch wirklich alles haben, konnten wir Richtung Schlagbaum Bugbrücke starten. Dort macht uns der Schlagbaumbediener Stempel Nr. 5 auf unser "Fitzelchen".

Nun geht es über den Bug, wie letztes Foto zeigt. Auf der anderen Seite stehen an der rechten Straßenseite einige Container. Vor Einreise in Weißrußland muß eine Pflichtkrankenversicherung abgeschlossen werden. Die aktuellen Preise bitte auf der Webseite der Botschaft der Republik Belarus nachlesen. Früher mußte noch eine Haftpflicht für's Auto abgeschlossen werden. Inzwischen wird die grüne Versicherungskarte als Versicherungsnachweis akzeptiert.


Pflichtkrankenversicherung


Also angehalten und den Obulus für die Krankenversicherung entrichtet.
Vor uns der letzte Schlagbaum, wo wir unseren Laufzettel ("Fitzelchen") abgeben und endlich passieren können.
 
     
 
  Weißrußland (Belarus)  
  Nach drei Stunden haben wir den Grenzübergang Terespol/Brest hinter uns. Vor uns die "Heldenstadt" Brest. Aber wir haben keine Zeit zu verlieren, denn vor uns liegen noch 550 km.

Die Straßen in und ca. 75 km nach Brest sind grottenhaft schlecht. Auf der Brücke über den Bug gibt es mitten auf der Straße 40 cm breite und genauso tiefe Löcher. Natürlich ohne Gefahrenhinweis. Die M1 Brest - Moskau weist bis 75 km nach dem Stadtausgang tiefe Querrinnen auf. Wer da nicht aufpaßt, ruiniert sich sein Fahrwerk! Die zulässige Geschwindigkeit von 110 km/h läßt sich kaum fahren.
 
     
  Die M1 von Brest nach Moskau   Neubauten? Es fehlen die typischen russischen Blockhäuser entlang der Straße  
         
  Die M1 von Brest nach Moskau   Neubauten? Es fehlen die typischen russischen Blockhäuser entlang der Straße.  
         
  LKW-Tankstelle an der M1   Kleine Rast an einer Tankstelle. Hier hat der Wächter die Schlüssel für die sauberen Toiletten.  
         
  LKW-Tankstelle an der M1   Kleine Rast an einer Tankstelle. Hier hat der Wächter die Schlüssel für die sauberen Toiletten.  
         
  Die Straßen werden nach und nach besser und haben fast polnische "Qualität". Nach dem Abzweig von der M1 zur M4 zieht es sich noch mal für 200 km. Auf der Hälfte fließt die Berezina, welche bekanntlich Napoleons Truppen zum Verhängnis wurde. Ab und an sieht man ausgeschilderte radioaktive Zonen. Die Landschaft ist leicht hügelig, manchmal gibt es links und rechts Sümpfe, dann wieder weite Felder der Kolchosen und scheinbar endlose Waldgebiete. Es läßt sich gut mit 100 - 120 km/h fahren. Erlaubt sind außerorts 90 km/h. Die Straße geht kerzengerade. Die Miliz kontrolliert fast in jeder größeren Ortschaft. Der entgegenkommende Verkehr signalisiert aber rechtzeitig. Nur den Minsker Mercedes S600, der mich vor 5 Minuten überholt hatte, haben sie anscheinend nicht gewarnt. :->

Ankunft in Mogilev

Leider habe wir hier ganz vergessen, Bilder zu knipsen. Wir wollten sehen, was sich alles so geändert hat. Die Stadt liegt am Dnjepr und ist Hauptstadt des gleichnamigen Verwaltungsgebietes, welches sich von Nord nach Süd auf 150 km und von West nach Ost auf 300 km ausdehnt. Das Gebiet grenzt im Westen an das Minsker Gebiet und im Osten an Rußland. Nach Moskau sind es nur noch 600 km.

Mogilev (weißrussisch = Mahilyeu, russich = Magiljow) hat rund 370.000 Einwohner. Hauptindustrien sind Chemie (Kunstseide), Maschinenbau und Textilverarbeitung.
Wie schon früher, gibt es hier die schönsten Frauen Weißrußlands. :-)

In der Stadt ist es relativ teuer zu leben. Die Preise übersteigen teilweise Minsker Niveau.

Interessante Informationen gibt es auf der offiziellen Seite des Mogilever Gebiets.

Das erste Auffallende ist die ungewohnte Sauberkeit. Dann ist irgendwie alles heller geworden. An einigen Stellen wurde neu gebaut. Sonst ist aber alles beim Alten geblieben.

Gut! Die ersten Eindrücke haben wir gesammelt. Nun geht es wieder raus aus der Stadt zu meiner Schwägerin.
Meine Frau ist ganz ruhig geworden......sie ist endlich wieder einmal zu Hause.
 
     
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Stand: 06.07.2008   © 1997-2008 - Uwe Stöckert (Nürnberg/Deutschland)
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